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systemd

Systemd gilt als zentrale Infrastrukturkomponente moderner Linux-Distributionen. Es vereinheitlicht die Verwaltung von Prozessen, Diensten und Systemressourcen und ersetzt eine Vielzahl älterer Werkzeuge. Trotz Kritik an seiner Komplexität und Monolithie hat es sich als Standard etabliert und prägt die Linux-Welt nachhaltig.


Allgemeines

  • Name: systemd
  • Kategorie: Systemsoftware (Init-System, System- und Dienstemanager)
  • Entwickler: Lennart Poettering, Kay Sievers u. a. (ursprünglich Red Hat Inc.)
  • Erstveröffentlichung: 30. März 2010
  • Programmiersprache: C
  • Lizenz: GNU LGPL 2.1+ (Freie Software)
  • Aktuelle Version: 258.2 (Stand: November 2025)

Funktion und Aufgaben

  • Init-Prozess (PID 1): systemd startet als erster Prozess beim Booten und übernimmt die Kontrolle über alle weiteren Prozesse.
  • Dienstverwaltung: Es verwaltet Dienste über sogenannte Units (z. B. Service Units, Timer Units, Socket Units).
  • Parallelisierung: Prozesse werden soweit möglich gleichzeitig gestartet, um den Bootvorgang zu beschleunigen.
  • Protokollierung: Mit journald bietet systemd ein zentrales Journal für Systemmeldungen, abrufbar über journalctl.
  • Netzwerk: Enthält den Daemon systemd-networkd für Netzwerkkonfiguration und systemd-resolved für Namensauflösung.
  • Zeitsynchronisation: Mit systemd-timesyncd wird die Systemuhr automatisch mit Internet-Zeitservern abgeglichen.
  • Analyse: Tools wie systemd-analyze ermöglichen die Untersuchung von Bootzeiten und Diensten.

Technik

  • Kompatibilität: systemd ist abwärtskompatibel zu SysVinit-Skripten, nutzt aber bewusst Linux-spezifische Features.
  • Interprozesskommunikation: Ab Version 221 enthält systemd sd-bus, eine moderne D-Bus-Schnittstelle.
  • Architektur: Dienste können über Sockets und D-Bus-Verbindungen bereits vor ihrem eigentlichen Start Nachrichten empfangen, was die Parallelisierung unterstützt.

Verbreitung

  • Distributionen: Fedora (ab Version 15), openSUSE (ab 12.1), Arch Linux (seit 2012), Red Hat Enterprise Linux (ab Version 7), Ubuntu (ab 15.04), Debian (ab 8) und viele weitere setzen systemd standardmäßig ein

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